Schüler 1924

Schule in Stralendorf – 1582 bis heute

Die Einführung einer Schulbildung war vor Jahrhunderten eng an die Kirche und ihre Entwicklung gebunden. In Urkunden wird bereits im 14. Jahrhundert vom „Kirchspiel“ Stralendorf gesprochen und der Kirche Stralendorf werden – urkundlich belegt – in dieser Zeit Ländereien geschenkt.

Schulunterricht wurde aber zu dieser Zeit für die Kinder sicher noch nicht gegeben, dies erfolgte erst gut 200 Jahre später und hing mit der Einführung der Reformation etwa von 1520 und hier in Mecklenburg Jahrzehnte später zusammen. Diese Aufgabe übernahmen dann die Küster in den Kirchdörfern, und aus verschiedenen Quellen ist bekannt, dass bei ihnen neben schlechten Lehrbedingungen auch oft das Fehlen notwendigster Kenntnisse die Wissensvermittlung arg einschränkte.

Erste Unterrichtsinhalte waren das Üben von Kirchenliedern und die Religionslehre. Dem Küster wurde eine „Wohnung“ gestellt, die oft nur ein elendes Loch war; deshalb (aber auch wegen mannigfaltiger anderer Sorgen) gab es immer wieder Klagen der Küster bei ihrer Obrigkeit.

Ihre Entlohnung bestand sowohl aus Geldlohn, aber im wesentlichen auch aus Deputatleistungen (in Form von Lebensmitteln) – wofür die Bauern der Ortschaften in der Pflicht waren. Dazu erhielten die Küster von der Gemeinde und von der Kirche Land zur Bewirtschaftung. Ganz typisch für die Stellung der Küster war es, dass sie „Diener zweier Herren“ waren – der Kirche und der Gemeinde. Daraus ergaben sich auch bei den verschiedenen Küstern immer wieder Konflikte, die zu kleineren aber auch größeren, dann aktenkundigen Auseinandersetzungen führten.

Erster aktenkundig gewordener Küster mit Schulaufgaben in Stralendorf war der Schneider Georgius Bütteiner, der sein Amt 1582 antrat. Im 30-jährigen Krieg (1618 – 1648) lag das „Schulwesen“, bedingt durch die widrigen Verhältnisse, ziemlich im Argen. Hier in Mecklenburg hat dann Herzog Christian Ludwig begonnen, fortschrittlichere Schulzustände herzustellen. Mit dem Küster Joachim Tonagel, der von 1698-1723 in Stralendorf war, wurde über die Schulsituation zu dieser Zeit und über die Lebensumstände der Küster mehr bekannt. Er hielt Ochsen, Schweine und Schafe und betrieb sein erlerntes Weberhandwerk „nebenbei“ weiter.

In einem Visitationsprotokoll vom 24.12.1705 lässt er vermerken:

Zitat: ... Ist mein Anliegen, dass ein groß Unordnung mit der Schul ist, dass die Kinder so hier her gehören, theils hier, theils nie zur Schule gehen und diejenigen so hier her gehen, ganz unbeständig, bald sind sie, bald nicht. ......
Zu dieser Zeit hatte der Küster 230 „Beicht- und Schulkinder“ zu unterrichten. Anfang der 1720er Jahre wurde vom Herzog der Befehl erlassen, dass auch im Sommer Schule zu halten sei – dies hat der damalige Küster Paul Seehase wohl befolgt. Mit weiteren Anordnungen des Herzogs, die allerdings kaum umfassend durchgesetzt wurden, hat er

die Anstellung nicht geprüfter Dorfschulmeister untersagt (1763)
die Verbesserung der Schulverhältnisse auf dem Lande befohlen (1770)
Was die Lehrerausbildung betrifft, so existierte zu jener Zeit bereits in Ludwigslust ein „Schulmeister-Seminarium“, welches 1782 gegründet wurde.. Ein Joachim Christian Krüger besuchte es von August bis Dezember 1784 und wurde dann Küster in Stralendorf.

Eine völlig neue Situation entstand, als 1828 der Großherzog Friedrich Franz anwies, in Stralendorf eine Industrieschule als Musterschule einzurichten. Der Sohn des damaligen Küsters wurde damit beauftragt. Er heiratete in eine Büdnerei ein, die spätere Nelius´sche Stelle, und unterrichtete dort zusammen mit seiner Frau Netzflechten, Korbflechten, Holzarbeiten, Spinnen und Stricken. Ab 1829 übernahm Krüger junior dann für die „Großen“ ab 10 Jahren den Hauptteil des Unterrichts, wo die Schwerpunkte nun doch deutlich beim Schreiben / Lesen / Rechnen lagen. Der Küster Joachim Christian Krüger unterrichtete bis zu seinem 85. Lebensjahr und wurde danach erst von einem Assistenten vertreten. Zu dieser Zeit betrug die Zahl der Schüler 160. Mit dem Jahre 1848 wurde dann das Predigerwitwenhaus (das heutige Gasthaus) als Schule eingerichtet. Allerdings wurden die kleineren Kinder noch bis zum Jahre 1900 im Küsterhaus unterrichtet.

Bereits in diesen Zeiten war es üblich, dass ein zweiter Lehrer dem Küster, jetzt auch Schulmeister oder „Erster Lehrer“ genannt, zur Seite stand. In Stralendorf gab es in den Jahren nach 1900 drei Schulklassen mit mehr als 70 schulpflichtigen Kindern, wobei die Gemeinde etwa 800 Einwohner hatte. Wissenswert ist, dass in den 363 Jahren von 1582 bis 1945 insgesamt vierzehn Küster bzw. Erste Lehrer in Stralendorf waren. Die kürzeste Dienstzeit betrug drei Jahre und die längste 63 Jahre. Im Durchschnitt waren dies 26 Jahre Dienstzeit.

Ganz besondere Unterrichtsbedingungen ergaben sich natürlich für Lehrer und Kinder während des zweiten Weltkriegs, der in die Dienstzeit von Lehrer Ernst Wahler (von 1928 – 1945) fällt. Eine Zeitzeugin, Frau Lotte Gräber, erinnert sich:
....in den letzten Kriegsjahren flogen des Öfteren die Bombergeschwader der Engländer meist so zwischen 10.00 und 11.00 Uhr über unseren Ort hinweg. Sie hatten wohl Ziele in Stettin oder Stralsund.

Im letzten Kriegsjahr betreute der Lehrer Wahler 64 Kinder alleine in einer Klasse.

Mit Ende des zweiten Weltkriegs stiegen die Bevölkerungszahlen in Stralendorf und Umgebung explosionsartig an.
Obwohl oder eben weil der Unterricht neben der eigentlichen Schule auch in bis zu vier weiteren Standorten abgehalten wurde, waren die Bedingungen auf die Dauer unhaltbar. Im Jahre 1947 unterrichteten vier Lehrer 190 Kinder in fünf Klassen. Im Jahre 1954 begann die Planung und der Bau einer Zentralschule in Stralendorf. Diese war zuerst als achtklassige Schule und dann – erst im Bauverlauf – als zehnklassige Schule geplant und ausgeführt.
Zum Schulbeginn im September 1956 wurde die neue Schule eingeweiht – ein vorgesehener zweiter Bauabschnitt mit Aula und Turnhalle sollte allerdings erst später folgen. Zu dieser Zeit waren an der Schule 14 Lehrer tätig.

Zur Wendezeit 1989 besuchten etwa 410 Schüler die Schule. 1993/94 wurde das Dachgeschoss zur Erweiterung des Schulbetriebs ausgebaut. Nachdem 1995 die Grundschule ein neues Gebäude erhielt, besuchten unseren Schulstandort in der Folgezeit mehr als 550 Kinder in 24 Klassen – eine Zahl, die sich in den Folgejahren noch weiter erhöhte. Im Dezember 2002 erhielt die Schule den Namen des in Klein Rogahn beheimateten Heimatdichters Felix Stillfried und heißt fortan „Felix-Stillfried-Schule“.


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